Marken-Experte Daniel Börnert verrät im Interview, warum Identitätsarbeit seine Leidenschaft ist

„Jeder Mensch, der sich selbst glaubwürdig lebt, überzeugt als Marke“, davon ist Daniel Börnert überzeugt. Seit Januar unterstützt der Experte für strategische Markenentwicklung das Team von DIETRICH IDENTITY. Er fordert die Unternehmen auf, mutiger zu sein. Denn die größten Schätze liegen in der Tiefe. Wir haben Daniel Börnert zu seiner Passion für Marken, Werte und zu seinen beruflichen Meilensteinen befragt.

# Daniel, wer bist Du und was hat Dich zu DIETRICH IDENTITY gebracht?

Daniel Börnert

Daniel Börnert

„An der Friedrich-Alexander Universität Nürnberg habe ich Ende der 90er Betriebswirtschaft und anschließend im Rahmen eines Aufbaustudiengangs an der Pädagogischen Hochschule Ludwigsburg Kulturwissenschaft und -management studiert. Dabei habe ich mich umfangreich mit den Themenfeldern Strategie und Markenentwicklung auseinandergesetzt. Seitdem habe ich über 15 Jahre Praxiserfahrungen in der Kultur-, Medien-, Food- und Biobranche gesammelt – zuletzt als Marketingleiter der Münchner Traditionsbäckerei Ludwig Stocker Hofpfisterei. Meine Passion und Kernkompetenzen sehe ich im Bereich der strategischen Markenentwicklung von innen nach außen auf Basis glaubwürdig gelebter Werte. Vor allem dieser Matching Point brachte mich zu DIETRICH IDENTITY.“

# Was beschäftigt Dich gerade in Hinblick auf Marke besonders?

„Die Frage nach der Glaubwürdigkeit einer Marke finde ich spannend. Zum einen, weil Marken heute einmal mehr dazu aufgefordert sind, ihre Versprechen gegenüber ihren Anspruchsgruppen auch tatsächlich einzulösen. Und das ist gar nicht so einfach. Bewährt sich beispielsweise der Anspruch einer Marke an Nachhaltigkeit auch im wahren Leben. Die Hofpfisterei mit ihrer ökologischen Ausrichtung überzeugt dabei meiner Erkenntnis nach, weil sie Nachhaltigkeit lebt, als Teil ihrer DNA versteht.

Die Frage nach der Glaubwürdigkeit einer Marke inspiriert mich zum anderen, weil es den Markeninhaber und uns als Berater einlädt, das Potenzial der Tiefe zu nutzen, um die Marke auf einen sicheren Höhenflug einzustellen. Glaubwürdige Marken haben ihre Verwurzelung im Einssein mit den eigenen Kompetenzen, Stärken und Werte. Man braucht ,nur‘ Mut, Erwartungslust und erfahrene Wegbegleitung, um hinzuschauen. Bekanntlich liegen in der Tiefe oftmals die größten Schätze verborgen, die es zu entdecken und einzusetzen gilt.“

# Was ist für Dich eine erfolgreiche Marke und welche TOP-Empfehlungen hast Du in Sachen erfolgreiche Markenführung? 

In den vergangenen Jahren durfte ich die wirklich sehr gelungene Entwicklung der Marke Berchtesgadener Land persönlich etwas genauer mitverfolgen. Anhand dieser Marke möchte ich meine TOP-3-Empfehlungen formulieren.

„Erstens: Eine Marke sollte zu 100 Prozent ihr inneres Potenzial kennen und dann auch entfalten. Der Verantwortung gegenüber Tieren, Natur und Verbrauchern kann man nur gemeinsam gerecht werden. Deshalb haben sich mittlerweile 1.700 Landwirte zu einer schlagkräftigen Genossenschaft zusammengeschlossen.

Zweitens: Eine Marke sollte zu 100 Prozent in die Lebenswelt ihrer Anspruchsgruppen eintauchen und genau dort interagieren. Die Idylle der Berchtesgadener Heimat und die Bergbauern sind nicht nur für die Einheimischen relevant. Mittlerweile gibt es in ganz Deutschland und darüber hinaus Liebhaber von Bergbauernmilch – und das auch deshalb, weil Milchtrinken in diesem Fall dazu beiträgt, dass unsere natürlichen Lebensgrundlagen im wunderschönen Berchtesgadener Land erhalten bleiben.

Drittens: Um die Marke im Fokus auf die gegenwärtigen und künftigen Generationen schlagkräftig zu erhalten, ist es unumgänglich, zum einen die Chancen der Digitalisierung zu nutzen, zum anderen die Marke laufend an die Veränderungen anzupassen ohne dabei ihren Kern zu verlieren. Digitale Kanäle bestechen vor allem durch Geschwindigkeit, Zielgerichtetheit, Dialogfähigkeit, Multimedialität und letztlich Differenzierungspotenzial zum Wettbewerb. Die Webpräsenz der Bergbauernmilch ist hierbei aus meiner Sicht nicht nur einen Blick wert – Digital Branding gut gemacht!“

# Was ist Deine größte Stärke und was ist Dein größter Erfolg in Deinem beruflichen Leben? 

„Meine Stärke und Leidenschaft ist im Kern Identitätsarbeit. Ich kann gut zuhören. Ich habe Freude daran, Menschen sowie Organisationen gerade in komplexen Prozessen dabei zu ermutigen und zu begleiten, die Potenziale und Schätze der Tiefe – sich selbst – in diese Welt zu bringen. Anstatt dabei „den“ großen Erfolg zu nennen, zehre ich lieber von den vielen kleinen Begegnungen und wertvollen Diamanten meines spannenden Berufslebens. Dennoch fällt mir spontan die Konzeption und Initiative eines Familienfestivals ein, das es heute noch gibt und das sich auf die Fahne geschrieben hat, die Identität von Kindern im Alter von 8 bis 14 zu stärken.“

# Was ist Dir persönlich wichtig im Leben? Was bewegt Dich im Privaten?

„Gemeinsam mit anderen Menschen möchte ich unsere Welt lebenswert erhalten und Tag für Tag mit den mir anvertrauten Talenten meinen Anteil dazu beitragen. Als empathischer Zuhörer begeistern und berühren mich Erfahrungen und Geschichten, die das wahre Leben schreibt. Andersartigkeit möchte ich immer mehr als Bereicherung verstehen. Ich liebe Menschen „fremder“ Kulturen, weil sie mir oftmals zeigen, dass ich bisher nur eine Seite der Medaille verstanden habe und es noch so viel zu entdecken gibt. Gemeinsam mit meiner Familie engagiere ich mich im sozialen Bereich für Holocaustüberlebende und für Kinder auf dem afrikanischen Kontinent. Eines noch: Ich liebe Musik – weil sie Menschen miteinander verbindet und sie die Kraft hat, mich an den Kern meiner Identität zu führen.“

# Welchen Stellenwert hat Marke für Dich im Privaten?

„Jeder Mensch, der sich selbst glaubwürdig lebt, überzeugt als Marke. Da bin ich aufgefordert, mich immer wieder selbst zu prüfen und an mir zu arbeiten. Gleichzeitig stehe ich in meinem Alltag immer wieder vor der Herausforderung und trage Verantwortung, welchen Marken ich aus welchen Beweggründen mein Vertrauen schenke. Da ich mich mittlerweile eher in der zweiten Lebenshälfte befinde, empfinde ich diese kritische Auseinandersetzung für mich als immer selbstverständlicher. Beispielsweise steht genau aus diesem Grund seit etwa drei Jahren bei uns statt der Milch aus dem Discount die Bergbauernmilch auf dem Tisch.“

 

Susanne Engelke
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