Verzweifelter Typ. "Dear Brands, please, just don't.

Stagnierende Aufträge, kein Budget aber dafür viel Zeit – für viele Unternehmen leider eine zutreffende Beschreibung von 2020.

Wozu hat das geführt? Interne Laster wurden angepackt. Aber das nicht auf professionelle Weise, sondern meist ohne große Investitionen, frei nach dem Motto DIY „DO IT YOURSELF“. Mit Sicherheit werden uns einige Ergebnisse davon dieses Jahr über den Weg laufen. Und das insbesondere bei „DIY Branding-Selbstversuchen“.

#1: DIY-FLATDESIGN
„Wir brauchen ein moderneres Logo!“  

Ja das mag sein. Dass ein modernes Logo aber mehr ist, als 3D Effekte, Schatten und Serifen zu entfernen, vergessen hierbei viele. Der Begriff „modern“ bezieht sich vor einem Design- Hintergrund auf eine Ära im 20. Jahrhundert, in der vor allem eines den Ton angab: „form follows function“. Bei der Entwicklung eines modernen Logos gilt es also den Fokus darauf zu setzen, dass ein Design effektiv und wirkungsvoll Informationen transportiert. Und zwar Informationen, die der Haltung des Unternehmens entsprechen. Und wer sich nicht bewusst darüber ist, wofür die eigene Marke steht, sollte sich erstmal um die Basis: die Markenidentität kümmern.

#2: DIY-COPYCAT
„Wir machen das genauso wie die, das sieht doch super aus“

Inspiration ist wichtig und die Augen immer und überall offen zu halten, auch.
Wenn wir uns allerdings an die Entstehungsgeschichte des Brandings zurückerinnern, sollten wir einen Daseinsgrund für Marken nicht verdrängen:

Orientierung schaffen innerhalb eines immer größer werdenden Angebotes.

Wie soll die Entscheidung eines Kunden beeinflusst werden, wenn jedes Produkt den Look des größten Konkurrenten kopiert? Noch ein Unternehmen, das mit superseriösem Blau überzeugen will, noch ein nachhaltiges Produkt, das mit dem selben öko-Grün die Zielgruppe der alternativen „unverpackt“ Käufer anziehen möchte und noch ein Waschmittel in Rosa, das mit seinem Holunder Rosen-Duft die 100 anderen Rosen-Düfte zu übertrumpfen versucht.

Was zählt beim Branding ist die eigene Identität visuell zu transportieren.

Welchen Eindruck vermittle ich mit meinem Aussehen? Welche Erwartungen wecke ich bei potentiellen Käufern? Unternehmen sollten ihr eigenes Statement setzen mit individuellen und kreativen Auftritten. Orientierung sollte hierfür das eigene Produkt und die eigene Marke bieten. Authentizität ist Trumpf.

#3: DIY-WUNSCHBESTIMMUNG
„Purpose-Washing“ und „fake-Werte“

So wie ein neues „DO IT YOURSELF”-Erscheinungsbild schnell nach hinten losgehen kann, sollte man sich auch eine „Markenbestimmung“ nicht ad hoc mal eben auf die Stirn schreiben.

Dass nicht jedes Unternehmen einen tieferen „weltverbessernden“ Sinn hat, ist klar. Der größte Fehler, der an dieser Stelle oft begangen wird ist der krampfhafte Versuch, sich ein Zweckversprechen zu eigen zu machen, das weder dem Produkt bzw. der Dienstleistung, noch dem Handeln eines Unternehmens gerecht wird.

Ich bin NICHT nachhaltig, wenn mein e-Produkt zur Herstellung Unmengen an Müll produziert und Unmengen an Wasser verbraucht. Und mein Unternehmen ist auch NICHT nachhaltig, wenn die öko-Materialen zu mir einmal um die Welt geschippert werden und in einer Plastik Tüte verpackt sind – am besten noch mit kostenlosem Versand und Rückversand.

Gleichermaßen gilt es bei den Werten genau hinzuschauen.

Eine Arztpraxis die behauptet „persönlich“ zu sein und bei der Terminvereinbarung ein automatisches, computergesteuertes Terminverfahren hat? – Ich denke der Punkt ist ­klar.
Derartige Werte- und Zweckbestimmungen führen schnell zu Lächerlichkeit und werden als billige Marketingstrategie abgestempelt. Eine zielführende Selbst- und Fremdbildanalyse könnte solche Fauxpas vermeiden.

Auch wenn die Verlockung an der eigene Marke zu basteln aktuell so groß ist wie nie und gerade in puncto Design sowieso jeder meint mitreden zu können: Derartige Selbstversuche können der Marke nachhaltig schaden und statt positiver Auswirkungen nicht nur finanzielle Einbußen zur Folge haben, sondern auch einen negativen Einfluss auf das Image mit sich ziehen. Ein professioneller Branding Prozess hingegen ist eine nachhaltige Investition in die Zukunft!

Isabella Weyers
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