Design als Weltsprache

Wie wichtig ist Design als Wirtschaftsfaktor für den internationalen Erfolg? Dies fragte sich eine illustre Runde auf Einladung der italienischen Handelskammer ITALCAM und bayerndesign im Hochhaus der Hypovereinsbank. Moderiert von Barbara Friedrich erzählten Carlo Bach-illycaffe, Francesco Lovo-Pininfarina, Marco Pozzo-Alessi, Oliver S. Holy-Classicon, Stefan Hoske-axor, Angelika Müller-H.O.M.E. und Tobias Grau über ihr Erfolgsrezept im Design.

Logo illycaffe 1966

illycaffe hat sich durch die illy Art Collection seit 25 Jahren dem Design, der Schönheit und Kunst verschrieben. War Kunst und Design Teil der Corporate Culture bei illy? Carlo Bach meint dazu, dass Design kein zufälliger Prozess gewesen sei. Bereits beim Logo Design in den 60er Jahren war ein Künstler dabei. Carlo Magnani der das Logotype in einen roten Raum stellte und das Design von zwei Espresso-Kaffeetassen darüber, war ein bekannter Architekt in Italien. Heute sind es die Designertassen von illy – die illy Art Collection – die als limitierter Tassen von internationalen Künstlern gestaltet werden. „So wird Espressogenuss in eine inspirierende Erfahrung verwandelt.“

Pininfarina ist für Design am Auto bekannt. Das Credo heute: Tägliche Gebrauchsgüter in Kunst zu übersetzen. Dabei spielt die Emotion die zentrale Rolle. Das wird schon im Claim des Unternehmens deutlich: „The magic driving emotion“.  Doch wer spielt die Hauptrolle? Der Designer oder der Ingenieur? Francesco Lovo, VP Pininfarina fordert eine Synthese aus Design und Funktion. „Inspiration kommt aus der Lösung eines Problems. Also immer einer technischen, funktionalen Lösung. Steht diese Anforderung fest, dann kommt das Design ins Spiel. Unser Stil ist dann auch dem kleinsten Detail, zum Beispiel der Luftzufuhr einer Kaffee Maschine von illy, eine charakteristische Zeichnung zu geben.“

Bei Alessi ist die Herausforderung eine andere. Eine Designsprache versus vielfältige Designer. 2.500 Designprodukte und

© pininfarina

trotzdem erkennt man ein Alessi Produkt. Die Art der Zusammenarbeit wird bereits auf Projektebene gestaltet, bei dem mehrere Designer sich eines Produktes annehmen, zum Teil auch bereits 2 Jahre vor Markteinführung, um dann ein Design auszuwählen.“ Viele bekannte Designer  arbeiten bei Alessi. Produkte sind in über 50 Museen ausgestellt. „Wir suchen Produkte, die mehr als die reine Funktion bieten“ so Marco Pozzo CEO Alessi. „Das ist eine Sehnsucht. Und das bieten wir. Valore di Arte e poesia.“

© Classicon

Eileen Grey, Otto Blümel, Charles Eames oder Contemporary Designer wie Sebastian Herkner, das ist Classicon. Für Oliver Holy haben Designklassiker etwas mit Schönheit und Qualität zu tun. Sein Konzept orientiert sich am Spannungsfeld zwischen Klassikern und zeitgenössischer Moderne. Denn Designklassiker sind nicht nur Statement und Kapitalanlage. „Gerade Designikonen sind für die interessant, die nicht so stilsicher sind.“

Axor hingegen entwickelt, konstruiert und produziert Armaturen, Brausen und Accessoires für luxuriöse Bäder und Küchen. Als Marke der Hansgrohe Group begann alles mit einem Duschkopf. Die Frage die sich stellte: Wie verpacke ich Wasser? Bei Axor beschäftigt man sich erst mit der Technologie um dann mit Design Emotion und Kaufanreiz auszuspielen. Dabei verkauft sich ein Design von einem bekanntem Designer heute nicht mehr eher als von einem unbekannten Designer. Nicht mehr ein gesamter Entwurf eines Bades sei erfolgreich, sondern eher der Mix aus verschiedenen Designern und Stilen.

Für Tobias Grau gab es mit der LED Technik extrem neue Chancen im Lichtdesign. Mit seinem Team an Ingenieuren und Designern arbeitet Tobias Grau an Lösungen, um höchste Design-Qualität und technologische Innovation in einer intuitiven Form zu verbinden. Zentral dabei auch der Ansatz der Nachhaltigkeit. Er bedeutet vor allem langlebige und energieeffiziente Produkte zu entwickeln und daran zu arbeiten, den Energieverbrauch bei der Produktion zu minimieren. „So eine Innovationsflut, die auf uns da zugerollt ist, wird es absehbar nicht mehr geben. Dabei muss dich das Design unbedingt den neuen Entwicklungen stellen“, so Tobias Grau in seinem Beitrag.

© Tobias Grau

Zum Abschluss natürlich die entscheidende Frage: Was macht italienisches Design aus? „Geschichte, Schönheit, Detail, Material, Proportionen haben uns schon immer beeindruckt.“, so Marco Pozzo von Alessi. „In Italien sind wir umgeben von Klassikern, die wir versuchen zu konservieren und zu schützen. Kunst, Poesie sind die  Charakteristika des italienischen Designs während Einfachheit und Funktion Basis des deutschen Designs sind.“ Tobias Grau fasst die internationale Perspektive zusammen: „Es gibt kein nationales Design mehr. Das wird immer weniger. Man arbeitet in der Individualität der Person, aber frei von Nationsgedanken. Das wird die Zukunft sein.“ Hoffentlich, mag man aktuell ergänzen.

 

Fridolin Dietrich

Fridolin Dietrich

Markenberater bei Dietrich Identity
Der Diplom Kaufmann und Organisationspsychologe ist Günder von Dietrich Identity und verfügt über zwei Jahrzehnte internationale Praxiserfahrung in Industrie und Beratung. Sein Motto: "Wir verkaufen ein Produkt, dass jedes Unternehmen braucht, aber wenige haben. Echte Werte."
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