Kürzlich bekamen wir eine Einladung zu einer Wettbewerbspräsentation mit dem Thema „Arbeitgebermarke“. Absender ein bekanntes Industrieunternehmen. Teilnahmevorraussetzung: Agile Arbeitstechniken sollten für das Projekt angewandt werden. Überraschung: Den Unterlagen war ein detailliertes Lastenheft zugrunde gelegt. Lastenheft? Agil?

Agilität bedeutet, dass wir beginnen, aber nicht wissen, wo der Prozess endet. Agilität bedeutet, dass wir im Projekt sehr veränderungsbereit sein müssen. Die größten Hemmnisse für Agilität sind  zu starre Prozesse und Abläufe in Unternehmen. Lastenhefte sind starr. Sie beschreiben die Gesamtheit der Anforderungen des Auftraggebers an die Lieferungen und Leistungen eines Auftragnehmers. Also schreiben bereits das Endergebnis vor. Sie sind Relikte aus der Zeit linearen Projektmanagements.

Nun hat uns das nicht wirklich überrascht, denn Wunsch und Wirklichkeit klaffen,was den Umgang mit Agilität betrifft, noch auseinander in deutschen Unternehmen.

Eine Studie der Hochschule Ludwigshafen stellt ein „Talking-Action-Gap“ fest. Die Unternehmen reden über Agilität und wissen einiges darüber. Jedoch brachte die Untersuchung auch heraus, dass da noch viel Raum für Verbesserungen ist. Die Unternehmen setzen sich mit dem Thema „agiles Arbeiten“ auseinander, einige experimentieren mit agilen Strukturen, sind neugierig und schauen, was passiert. Manche starten Zukunftslaboratorien oder Digital Factories oder probieren Design Thinking aus. Wieder andere versuchen eine ganze Abteilung – zum Beispiel IT – agil aufzustellen.

Viel experimentieren, wenig Best Practice.

Die Studie fand aber auch heraus, dass die bisher meisten Einsatzbereiche in der IT, bei der Unternehmensentwicklung, dem Einkauf und dem Personalmanagement erwartet werden. IT ist durch die Digitalisierung per se ein Treiber von agilen Arbeitsmethoden sein, der Einkauf wird zunehmend bei Standardprozessen von Algorithmen bestimmt werden und das Personalmanagement begleitet schon immer Change-Prozesse im Unternehmen, warum nicht agil?

4 Herausforderungen für Agilität

Stehen agile Organisationen für Marktorientierung, Innovationsfreude, Selbstorganisation und hierarchiefreies Arbeiten, wird in Zusammenhang mit agilen Organisationen auch oft von Flexibilität gesprochen. Das führt laut der Ludwigshafener Studie zu den größten Hindernisse für Agilität im Unternehmen.

  • Es sind die alten starren, linearen Prozesse, die Agilität von Anfang an verhindern.
  • Mangelnde Veränderungsbereitschaft der Mitarbeiter ist eine Gefahr, denn sie müssen bereit sein zu starten ohne das Ende zu kennen, Fehler zu machen und dazu zulernen.
  • Steht Agilität für Hierarchiefreiheit ist eine Anpassung der Führungskultur notwendig. Das wird spannend, ist unsere Kultur doch von hierarchischen Strukturen und Entscheidungswegen geprägt – und plötzlich soll alles ganz hierarchiefrei funktionieren?
  • Die Anpassung der Unternehmenskulturen, Stichwort „Fehlerkultur“.

Was ist zu tun?

Agiles Arbeiten wird ein Teil unsere Arbeitswelt werden. Heute noch vielfach im Experimentiermodus werden wir uns damit zunehmend auseinandersetzen. Auch wir als Beratungsagenturen wird das treffen. Dabei wird uns klar, dass agile Organisationen nach einer völlig anderen Logik als traditionelle Unternehmen funktionieren.

Die oben genannten Herausforderungen zeigen, dass um agile Arbeitstechniken erfolgreich implementieren zu können noch einiges zu verändern ist. Denn die agile Organisation braucht ein neues Selbstverständnis zu den zentralen Themen wie Führung, Unternehmenskultur und Werthaltung. Ein solches Vorhaben lässt sich mit einem identitätsorientiertem Change-Prozess angehen. Interdisziplinär mit den wichtigsten Protagonisten und Abteilungen am Tisch. Die Unternehmensleitung, die Fachabteilungen und die Mitarbeiter. Lassen Sie uns darüber sprechen.

Fridolin Dietrich

Fridolin Dietrich

Image und Markenberater bei Dietrich Identity
Der Diplom Kaufmann und Organisationspsychologe ist Günder von Dietrich Identity und verfügt über zwei Jahrzehnte internationale Praxiserfahrung in Industrie und Beratung. Sein Motto: "Ein Logo ist ein Kennzeichen. Eine Marke hat Werte und Haltung."
Fridolin Dietrich
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