In diesen Tagen macht jeder von uns „Internet“. Während Millionen Menschen im ganzen Land soziale Distanzierung praktizieren und zu Hause bleiben (ein ethischer Imperativ), tauchen im neu bevölkerten digitalen Raum heiße, neue Trends auf. Das Wort, das in aller Munde ist, heißt „Zugangscode für Telefonkonferenzen“. Währenddessen wird über „Kannst du dein Mikro lauter stellen, Thomas?“ und „Sind jetzt alle da?“ geschmunzelt.

 

Corona, soziale Distanzierung & (digitale) Verbindung

Was für eine aufregende Zeit. Ohne die Möglichkeit, sich physisch nahe zu sein, haben wir neue Wege gefunden, uns über Videokonferenz-Tools wie Zoom, Google Hangouts und Facetime zu verbinden. Was einst ein Raum war, der von virtuellen Arbeitsbesprechungen für Leute in teuren Anzügen dominiert wurde, die Dinge sagen wie „Können wir den Fortschritt im Büro in Hongkong überprüfen?“ und „Wie spät ist es in Kuala Lumpur?“, ist er jetzt mit digitalen Happy Hours, Abendessen, Spieleabenden und sehr ernsthaften Treffen zur Diskussion darüber, ob ein Freund seine Haarfarbe ändern sollte, vollends in Einklang gebracht.

On- oder Offline?

Aber wie bei jedem geselligen Beisammensein kann das, was uns verbindet, auch das sein, was uns das Gefühl gibt, nicht verbunden zu sein. Man kann sich leicht vorstellen, dass sich alle Ihre Freunde in einer glamourösen Zoom-Party ins Fäustchen lachen, während Sie Ihren Posteingang auffrischen und auf eine Einladung warten, die nicht kommt. Tatsache ist, dass diese ganze digitale Verbindung neue Versionen von für Sie existentiellen Fragen aufwerfen könnte.

Sollte ich meine Wohnung vor einer Zoom-Telefonkonferenz aufräumen?

Auf keinen Fall. Verändern Sie nichts. Versuchen Sie, Ihr schmutziges Geschirr so zu stapeln, dass es in den Hintergrund Ihres Videos passt. Ist das eine Telefonkonferenz oder ein Hilferuf? Warum nicht beides!

Die Outfit-Frage

Sie sollten den Kostüm- oder Outfitwechsel während verschiedener Calls als Ihren Catwalk nutzen und gebührend inszenieren, sowohl beruflich als auch privat. Rütteln Sie die Dinge auf. Denken Sie unbedingt an eine Perücke oder auch Hut!

Zoomen alle ohne mich?

Ehrlich gesagt, wahrscheinlich nicht. Es stimmt, dass der Wunsch, digital abzuhängen, einen Ansturm von Veranstaltungen ausgelöst hat, die es so aussehen lassen könnten, als hätte jeder einen vollen Kalender mit Einträgen wie „Mittagessen mit Tanja (zu Hause)“, „60-minütiges Hatha Yoga mit Ariane“, „Drinks mit den Fußball-Jungs“ und „Karaoke mit der Nachbarschafts-Gruppe“.

Es scheint, als wenn viele von uns ausgebucht und beschäftigt sind. Es werden Vorhaben der letzten 10 Jahre ausgegraben. Ich wollte seit Ewigkeiten Spanisch lernen, der Kurs ist online gebucht und nun sitze ich vor dem Bildschirm und frage mich: Quién se hace esto a sí mismo? (Wer tut sich das nur an?)

Aber die meisten von uns sind einfach nur müde. Es ist in Ordnung, wenn Sie die seltsame Zeit als Gelegenheit nehmen, um so weit zu kommen, wie Sie das wollen. Aber es ist auch in Ordnung, sich zurückzuhalten, sich ein wenig selbst abzuschalten. Tun Sie, was sich richtig anfühlt.

Zoomen Sie, wen Sie wollen, und zoomen Sie, auf die Weise wie Sie es wollen. Streamen Sie Ihr gesamtes Leben, als wenn kein Ende in Sicht ist. Verbindung kann durch die neuen digitalen Möglichkeiten so aufgebaut werden, muss sie aber nicht. Vielmehr ist es, wie so oft, die Art und Werthaltung, welche wir diesen Dingen unterlegen.

„Der Teilnehmer hat die Konferenz beendet“ … und geht jetzt für die Nachbarin Einkäufe erledigen.

Johanna Schubert
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