Berlin-Neukölln, Elbestrasse

Das „eins44“ kredenzt hier dem jungen Berliner Publikum wahlweise 5 oder 7 Gänge zu erlesenen Weinen. „Food and Drinks meet industrial design“ schreibt Inhaber Otto Reichel auf seiner Website. Die Einrichtung ist ein Spiel mit Materialien und Formen des Industriedesigns. Holztische und Tresen in braun, laden ein und schaffen Wärme.

Weiße Kacheln mit grünen Quadraten an der Wand, erinnern an alte Berliner Kaufmanns- und Handwerksbetriebe.

So wie das kulinarische Angebot, ist auch das Design eine Reminiszenz an die Industriebetriebe des vergangenen Jahrhunderts. Lampen, Tische und Stühle wurden aus verschiedenen Industriebetrieben zusammen gesammelt. Ein gelungenes Erlebnis, was man schon an der langen Warteliste für den Samstag Abend erkennt.

Unternehmensfarben sind wichtig im B2B Bereich

Das eins44 in Berlin-Neukölln

Was hat das mit Unternehmensfarben und Business to Business Geschäften zu tun?

Restaurants sind heute nicht mehr nur dazu da, Hunger auf besondere Weise zu stillen. Bekannterweise isst das Auge mit und daher müssen Gerichte gut inszeniert sein. Restaurants verkörpern ein Lebensgefühl, eine Zeit oder einen Stil. Sie grenzen ab und sind Teil der Identität ihrer Restaurantchefs. B2B-Marken und Produkten hingegen fehlt die öffentliche Aufmerksamkeit. Sie sind meist funktional: Die Software, die Schrauben oder die Antriebssysteme haben nicht die Aufgabe, Lifestyle zu verkörpern. Warum also sollten sich Unternehmen um das Aussehen ihrer B2B-Produkte kümmern? Oder auf die Wirkung von Unternehmensfarben in ihren Showrooms achten? Oder auf die Gestaltung ihrer Büros, Lager und der Corporate-Design-Farben?

Ein Wandel zeichnet sich ab

Im B2B-Bereich sind letztendlich Menschen Anbieter und Käufer. In Zeiten von „Customercentricity“ rückt der Kunde stärker in den Vordergrund. Das Unternehmen als Marke wird damit wichtiger. Und ästhetische Faktoren spielen eine zunehmend stärkere Rolle.

Die Wirkung von Unternehmensfarben sind wissenschaftlich bewiesen, wie das Buch von Eva Heller „Wie Farben wirken“ eindrucksvoll zeigt. Ein Blick in Deutschlands B2B-Unternehmen offenbart allerdings: Hier ist noch viel Luft nach oben. Die Unternehmensfarben meist blau oder grau, steril-weiße oder kreischend aufdringliche Wandfarben im Büro, Showrooms ohne Idee oder Konzept, sind oft anzutreffen.

Dabei gibt es einige Gründe sich vom Wettbewerb abzuheben

  1. Kunden: Sie nehmen die Marke auf vielen Ebenen war. Und sie wird durch die Erfahrung aufgeladen. Im Showroom, im Meetingraum, auf der Website, beim Produkt, der Verpackung und der Rechnung. Jeder Kundenkontaktpunkt sollte einem klaren Farbkonzept folgen. Oftmals fragen sich Verantwortliche gar nicht, warum ihr Logo blau-gau ist oder warum der Lieferzettel so aussieht, als wolle er nicht gelesen werden. Dabei schafft ein stimmiges, in die Unternehmensstrategie integriertes Designkonzept Impuls, Vertrauen und damit Mehrwert.
  2. Mitarbeiter: Befinden sich Mitarbeiter in einer traurigen Arbeitsumgebung, sinkt deren Motivation. Das macht sich in der Produktion oder dem Service – und schließlich in den Absatzzahlen bemerkbar. Arbeite ich zum Beispiel in der Luxusgüterindustrie deren Preise hoch und exklusive Images wichtig sind, muss ich meine exklusive Klientel und Verkaufsorte erleben können. Befindet sich aber dessen Headquarter aus wirtschaftlichen Gründen in einem Industriegebiet, wie sollen dann die Mitarbeiter täglich Präsentation und Umfeld dieser Luxusgüter in den 1A Lagen der großen Städte erleben? Und welche Kunden dort unterwegs sind?
  3. Bewerber: Im „War for Talents“ setzen sich Unternehmen zunehmend mit Employer Branding auseinander. Neben der richtigen Bewerberansprache ist auch das Gesamtbild des Unternehmens entscheidend. Wie werde ich empfangen? Wie modern ist der Ort des Bewerbungsgesprächs? Findet das Gespräch in einem typischen Konferenzraum mit Tisch, weißen Wänden und Präsentationsmöglichkeit statt oder bleibt er bei mir durch gestalterische Besonderheiten in positiver Erinnerung?

Farbe wirkt sich auf unsere Wahrnehmung aus.

Eines wird deutlich, Farben beeinflussen unser Empfinden. Die Idee dahinter: Mit einem Farbkonzept erkennen Kunden, Mitarbeiter und Bewerber intuitiv, wofür das Unternehmen steht. Dann kreieren sie Mehrwehrt auf unterschiedlichsten Ebenen und in mehreren Dimensionen: Von der inspirierenden Arbeitsumgebung bis zum Ausdruck der Unternehmenskultur. Eines bleibt: Bei den Unternehmensfarben, der Farbauswahl und der Designentwicklung ist es hilfreich, fachkundige Experten einzubeziehen.

Fridolin Dietrich
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