Regionale Identität durch neue/alte Kennzeichen?

Eine Debatte ist entbrannt über das Für und Wider der Einführung von Alt-Kennzeichen in bayerischen Landkreisen. Gemeinden dürfen, wenn gewünscht, die Auto-Kennzeichen ihrer Alt-Landkreise wieder einführen. Abgeschafft wurden sie bei der Gebietsreform in den 1970er Jahren im Freistaat.

Gegner behaupten, dass die Einführung der Alt-Kennzeichen neben viel Aufwand und Ausgaben nur Verwirrung stiftet. Wirtschaftsminister Martin Zeil argumentiert hingegen, dass mit nostalgischen Kennzeichen die lokale Identität, die regionale Wirtschaft und der Tourismus gestärkt werden.

Die Frage, die sich nun stellt ist: was stimmt? Reicht ein gemeinsames Erscheinungsbild um die lokale Identität der Bürger zu fördern?  Oder sind die Alt-Kennzeichen lediglich reine Geld- und Zeitverschwendung?

Aus meiner Sicht reicht ein gemeinsames Erscheinungsbild nicht zur Entstehung einer lokalen Identität. Denn obwohl es oftmals fälschlich angenommen wird ist die Identität nicht gleichzusetzen mit dem äußeren Erscheinungsbild. Stattdessen setzt sie sich aus drei Komponenten zusammen. Aus Leistung, Verhalten und Erscheinungsbild. Erst durch das Zusammenspiel dieser drei Faktoren bildet sich die Identität einer Organisation, eines Ortes oder auch eines Menschen.

Ein gutes Beispiel für eine starke lokale Identität ist das Bundesland Bayern. Denkt man (zugegebenermaßen stereotypisch) an das Erscheinungsbild Bayerns, denkt man an Menschen in Lederhosen und Dirndl und die Berge. Dies allein macht jedoch nicht Bayern aus, denn auch in anderen Bundesländern findet man Menschen, die diese Kleidung tragen und auch in anderen Ländern gibt es Berge. Auch das Verhalten der Einwohner, ihre Geselligkeit und Gemütlichkeit, prägen Bayerns Identität. Doch erst der dritte Aspekt, die Leistung, vervollständigen die einzigartige Identität Bayerns. Hierzu zählen die große Anzahl von Bierarten und Biergärten sowie das weltweit bekannte Volksfest, das Oktoberfest, mit dem sich die Einwohner identifizieren und das sie zusammenschweißt. Durch das Zusammenwirken dieser drei Komponenten entstand von innen, von den Bürgern, heraus die unverwechselbare Identität Bayerns, die aktiv gelebt wird.

Somit sind die Alt-Kennzeichen als einheitliches Erscheinungsbild zwar ein erster Schritt für die Schaffung einer lokalen Identität, sie müssen aber durch entsprechendes Verhalten und entsprechende Leistungen komplettiert werden. Nur dann können sich die Einwohner mit ihrem Ort identifizieren, werden zusammengeschweißt und eine Identität kann von innen heraus entstehen.

 

Fridolin Dietrich

Fridolin Dietrich

Markenberater bei Dietrich Identity
Der Diplom Kaufmann und Organisationspsychologe ist Günder von Dietrich Identity und verfügt über zwei Jahrzehnte internationale Praxiserfahrung in Industrie und Beratung. Sein Motto: "Wir verkaufen ein Produkt, dass jedes Unternehmen braucht, aber wenige haben. Echte Werte."
Fridolin Dietrich
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