Am Wochenende hörte ich einen Podcast zum Thema Sprache und ob sie sich zu Zeiten von Corona verändern wird.

Dort beschreibt Dr. Alexander Kissler, Ressortleiter bei der Zeitschrift Cicero und Journalist, dass „die Zeit der Phasendrescher, der Distanzlosen und der gefühllosen Schwätzer durch Corona ein Ende finden wird.“ „Unsere Wortwahl wird nach der Krise wieder ernsthafter, tiefer, nachhaltiger, fairer und empathischer gestaltet sein.“ Sein Wort in Gottes Ohr. Wie soll das gehen? Werden wir wirklich erwachsener?

Können wir wirklich unsere Sprache neu denken?

Eine bekannten Floskel, die wir alle täglich benutzen macht es deutlich: „Wie gehts es Ihnen denn?“ ist die bekannte Phrase. Dann haben wir hundertausendfach geantwortet, „geht so“, „am Besten gut“, „wie soll’s schon gehen“, „fragen sie mich was Leichteres“. Eine Floskel hat die andere abgelöst. Heute drückt sich in dieser Frage „Wie gehts es Ihnen denn?“ ein neues Interesse aus. Wir wollen wirklich wissen, wie es dem anderen in dieser #coronazeit geht. Da hat die Floskel bzw. das Wort eine neue Bedeutung bekommen.

Wirkt sich diese neue Bedeutung der Sprache auch auf die Unternehmenskommunikation aus?

#socialdistancing, #stayathome haben neue Kommunikationsformen zum fast schon gewohnten Alltag werden lassen. Wir alle sind plötzlich in Videokonferenzen, Online Meetings, Google-Hangouts unterwegs oder „zoomen“. Konsequenz: Die Sprache wird wichtiger. Sie bekommt eine neue Stellung. Nicht immer ist – aus technischen Gründen – auch das Gesicht des sprechenden Menschen zur Deutung des Inhaltes zu sehen. So fehlt die dazu gehörende Mimik. Und nicht nur die Wörter, sondern auch die Stimme wird in Zeiten von permanenten Telefonkonferenzen und Videostreams gefordert.

Die präzise, verständliche Sprache bekommt eine neue Bedeutung. Das Zuhören einen neuen Stellenwert.

Was sagen die Sprachexperten unserer Zunft dazu? Dazu habe ich ein paar Stimmen aus dem Umfeld von Dietrich Identity eingeholt.

Denken wir an die Unternehmenskommunikation, ist der Weg zum Corporate Wording nicht weit. Burghard Müller-Dannhausen, ein Artist für Kunst-im-Raum Projekte, aber ebenso ein geschätzter Experte in Sachen Sprache im Unternehmenskontext schrieb mir dazu: „Der neue Stellenwert des gesprochenen Worts wird sich bald auch auf das geschriebene Wort auswirken. Wenn nach Corona die Welt nicht mehr so sein wird wie vorher, dann wird auch die Sprache nicht mehr so sein wie vorher. Davon wird die Unternehmens-Kommunikation genauso betroffen sein wie alle anderen Bereiche verbaler Kommunikation.“

Wird die #coronapandemie die Bedeutung der Sprache tatsächlich stärken?

Violetta Simon, Journalistin bei der Süddeutschen Zeitung und Autorin formuliert es so: „Es hat sich mittlerweile auch für Skeptiker herausgestellt, dass in der digitalen Kommunikation ein großes Potenzial steckt. Damit geht eine neue Disziplin einher: Man lässt sich aussprechen, hört besser zu.“ Sie denkt sogar einen Schritt weiter: Wird  in Zukunft mit dem Tragen der Masken die Mimik entfallen, wird das Wort mehr Gewicht bekommen. Das was ausgleichende Emojis bisher abdecken, muss nun durch Klarheit, Freundlichkeit und andere positive Skills kompensiert werden.“

Man muss unterscheiden, um welche Formate es bei der sprachlichen Kommunikation geht.

Ob Meetings, E-Mails, Broschüren, Pressemitteilungen oder Imagetexte. In jedem Unternehmen wird ja immer und überall kommuniziert, auch weit weg vom konkreten Einflussbereich von Werbetextern.

Eva Foraita, Wortgestalterin in manchen unserer Projekte schreibt mir dazu: „Alles eine Frage der Haltung. Es wird Unternehmen geben, die qua Sprache noch mehr Stärke, Zuverlässigkeit, Optimismus ausstrahlen möchten, um ihren Stakeholdern Sicherheit zu vermitteln. Andere werden  vorsichtiger agieren. Vielleicht, weil sie spüren: Die Zeiten, in denen sich die Spirale des „schneller, besser, erfolgreicher“ beständig nach oben schraubt, die sind vorbei. Hier könnte ein neues, empathisches Miteinander – unternehmenskulturell und infolgedessen eben auch sprachlich – Einzug halten.“

Also nach der Corona Pandemie werden die Marken gestärkt hervorgehen, die nicht nur über Empathie geredet, sondern auch Empathie erworben und gezeigt haben.

Empathie stellt sich durch Handeln ein – und zwar auf sehr intuitiver Ebene. Es ist auch die Empathie mit der Sie Vertrauen schaffen. Die Sprache wird hier eine Schlüsselrolle spielen. Sie generiert emotionalen Mehrwert: Menschen emotional zu erreichen heißt, Menschen besser zu erreichen.

Ono Mothwurf, Texter und Liebhaber des österreichischen und bayrischen Idioms formuliert es so: „Sprache wird persönlicher und emotionaler. Um erfolgreich und glaubwürdig zu sein, muss sie den Menschen hinter der Botschaft spürbar machen und nicht das Unternehmen hinter der Botschaft. Unternehmen werden ihre Scheu ablegen, in menschlichen Kategorien zu kommunizieren und werden auch über Hoffnungen, Zweifel und Schwächen reden.“

Was sagen wir Identitäts- und Markenberater dazu?

 Identität lebt von Werten. Werte brauchen Sprache.

Geben Corporate Identity, Werte, Markenidentitäten und Markenpositionierungen den strategische Rahmen vor, ist die Sprache schon immer das zentrale Medium für das Erlebbar machen von Identität. Leider wird sie nur oft neben Design und Marke links liegen gelassen. Wenn diese Krise dazu führt, dass die Sprache eine neue Aufmerksamkeit erhält, dann ist schon viel erreicht. Und unser werte-orientierte Ansatz,  der die echten Werte als langfristigen, krisenfesten Bezugsrahmen für die Unternehmenskommunikation darstellt, bekommt seine besondere Wertschätzung.

Fridolin Dietrich
0 Kommentare

Hinterlasse ein Kommentar

An der Diskussion beteiligen?
Hinterlasse uns deinen Kommentar!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.