Kürzlich bat mich RTL Aktuell um eine Stellungnahme „warum auch für hässliche Sneakers mittlerweile so astronomische Summen gezahlt werden?“ Anlass war: Das bekannte Edelkaufhaus Barneys in New York hatte in seinem Schaufenster Sneakers für mehr als 500 € stehen, die teilweise mit Klebeband geflickt oder verdreckt sind.

Dieser Trend sorgte in den sozialen Medien für viel Aufregung wegen des Kaufpreises. Die Turnschuhe stammen vom Kultlabel Golden Goose, welches normalerweise Turnschuhe in Retrooptik anbietet.

 

Es scheint, weil alles machbar ist, wird auch alles, aber auch alles gemacht.

Es wirkt fast so als ob es nach dem Untergang der aesthetischen Hierarchien und geschlossenen Stilepochen  keine einheitliche Geschmackskultur mehr gibt. Diese tobt sich vielmehr in der Privatsphäre der Einzelnen aus oder Unternehmen bekommen im Netz dafür eine Plattform.

Für die Mehrheit der Konsumenten ist gutes Design aber immer immer noch mit Status und Bestätigung verbunden.

Denn Wohlstand und Design gehören heute irgendwie zusammen – so wie bürgerliche Aesthetik und die private Manifestation von Geschmack. Für einen Teil der Design-Produzenten ist Design verbunden mit der (legitimen) Hoffnung, es könne helfen, drängende soziale, ökologische, ökonomische und kulturelle Probleme unserer Gegenwart zu bewältigen oder wenigstens sichtbar zu machen. Wiederum andere sehen im Design eine Möglichkeit, ihrer aufgestauten Kreativität freien Lauf zu lassen.

Nun ist Design wahrlich kein Allheilmittel zur Lösung aller unglücklichen Lebenslagen. Noch ist es eine Kunst, die wie die Schönheit einer Rose andere beflügelt, nur weil es (eben nicht) bar jeder Funktionalität existiert. Design ist zweckgebunden und wartet auf mit der Kompetenz, zwischen den Teilen unserer fragmentierten Lebenswelt zu vermitteln. Es provoziert zur Nachdenklichkeit, fordert auf zur Handlung, nötigt zur Auseinanndersetzung und eröffnet neue Perspektiven. Denn Design wirkt, wenn man darüber spricht, wenn es Orientierung bietet, wenn es Ideen – und damit auch Unternehmen, Marken und Leistungen – profiliert, getreu nach dem Motto „Ich weiß es, wenn ich es sehe.“

Design ist nicht nur Selbstwert

Damit Design nicht nur Selbstwert vermittelt bzw. nicht Entertainment in einer als ansonsten vielleicht als langweilig empfundenen Welt auslöst, müssen Form und Inhalt eine Einheit eingehen – genau in dem Maße wie Herkunft und Zukunft die beiden Seiten einer Münze sind und nur zusammen Sinn vermitteln.

Fridolin Dietrich

Fridolin Dietrich

Image und Markenberater bei Dietrich Identity
Der Diplom Kaufmann und Organisationspsychologe ist Günder von Dietrich Identity und verfügt über zwei Jahrzehnte internationale Praxiserfahrung in Industrie und Beratung. Sein Motto: "Ein Logo ist ein Kennzeichen. Eine Marke hat Werte und Haltung."
Fridolin Dietrich
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