Informationszeitalter oder absolute Reizüberflutung?

6000 Werbekontakte pro Tag,  11 Mio. Reize pro Sekunde und über 780.000 eingetragene Marken in Deutschland. Unser Gehirn wird Tag für Tag mit Reizen überflutet, vor allem die moderne Konsumkultur leistet hierzu ihren Beitrag.

Doch zunächst zum Begriff „Reizüberflutung“: Von Reizüberflutung sprechen wir, wenn ein Körper mehr Reize aufnimmt, als er letztendlich verarbeiten kann. Die Folge ist dann eine psychische Überforderung des Betroffenen. Vor allem akustische und visuelle Reize sind in der modernen Welt Grund für Reizüberflutungen und gehören im Informationszeitalter zum alltäglichen Leben.

Um einer ständigen Reizüberflutung zu entgehen, verfügt das menschliche Gehirn über ausgefeilte Filtersysteme, die es uns ermöglichen Reize zu filtern, bevor wir diese überhaupt bewusst wahrnehmen können. Der sogenannte Thalamus, das Hirnareal das entscheidet welche Informationen für uns wichtig sind und welche nicht, ist hierbei das wichtigste Filtersystem. Es entscheidet welche Reize an unser Bewusstsein gelangen und welche wir sogleich wieder verdrängen. Der Thalamus wird deshalb auch als „Das Tor zum Bewusstsein“ bezeichnet.

Auch in der Kommunikation besteht heute die Gefahr von Filtersystemen aussortiert zu werden und so erst gar nicht am Punkt der Wahrnehmung anzukommen. Werbung immer schriller, knalliger, schräger – sprich auffälliger zu machen, mag zwar eine kurzfristige Lösung sein, wird das Problem aber auf lange Zeit nicht lösen können – Markenarbeit hingegen schon. Denn ein Markenbild dient in einer komplexen und unüberschaubaren Konsumwelt als Orientierungspunkt. Marken oder Produktbereiche, mit denen sich der Konsument identifiziert, bzw. ihm das Markenbild über lange Jahre beigebracht wurde, kommen wesentlich leichter, beinahe schon selbstverständlich an den Filtersystemen vorbei.

Es ist notwendig eine Marke klar zu profilieren, sie authentisch und zugleich einzigartig zu gestalten. Es ist wichtig, dass alle Signale die eine Marke aussendet auf die gleiche Botschaft einzahlen und es dem Gehirn so leicht wie möglich gemacht wird die Botschaft zu dekodieren und letztendlich die Marke wahrzunehmen. Ist eine Marke klar, authentisch und dem Konsumenten vertraut, wird diese auch wahrgenommen und erinnert, während andere Marken in den ewigen Weiten des Unterbewusstseins verloren gehen.

Einzig und allein aus diesem Grund gibt es in der wunderbaren Welt der Marken lila Kühe, magenta-farbige Telekommunikationsanbieter oder angebissene Äpfel. Obwohl keine Namen genannt wurden, weiß jeder von wem hier die Rede ist.

Wir sind der Meinung das nur solch klare, ganzheitliche Markenprofile langfristig der Reizüberflutung entgegenwirken können. Eines ist klar, Reize werden in Zukunft wohl kaum weniger werden.

 

Andreas Lenz

Andreas Lenz

Digital Planner bei Dietrich Identity
Andreas Lenz ist Diplom Kommunikationswirt und hat einen Bachelor-Abschluss in Management & Marketing, der Steinbeis SMI. Mit Leidenschaft und neuen Impulsen berät und begleitet er unsere Kunden in der Entwicklung digitaler Strategien, dem Monitoring und der Markenführung ihrer Marken in sozialen Netzwerken.
Andreas Lenz

Letzte Artikel von Andreas Lenz (Alle anzeigen)

1 Antwort

Trackbacks & Pingbacks

  1. […] befinden uns im Informationszeitalter und somit auch in einem Zeitalter der Reizüberflutung. Um in solch einer Zeit nicht den Durchblick […]

Dein Kommentar

Want to join the discussion?
Feel free to contribute!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.